chicoree gemuese
Basiswissen Wurzelanbau Boden Roden
Düngen Einlagern und Reifen Treiberei und Ernte  
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Basiswissen und Geschichte

Chicorée = Weißes Laub (niederländisch wit loof - Witloof )

1846 zog Monsieur Bresier, Chefgartenbauer am Botanischen Garten in Brüssel die ersten Chicorées:
Die Wurzeln des Cichorium intybus ließ er zwar noch im Freiland wachsen, zum Sprossen verhüllte er sie jedoch lichtdicht, so dass sie möglichst wenig Bitterstoffe entwickelten. Dabei blieben sie jedoch auch bleich.

Nach einer anderen Version soll diese Art des Treibens auf eine zufällige Beobachtung zurückgehen:
Als belgische Bauern 1870 ihre Zichorienwurzeln infolge ungewöhnlich hoher Ernte im Gewächshaus einschlugen, entdeckten sie während des Winters die kräftigen Knospen.

Als weitere Version wird in Belgien ein Bezug zur Gründung des Königreiches Belgiens im Jahr 1830 erwähnt: Um die zur Verwendung als Ersatzkaffee gezüchteten Zichorienwurzeln in den revolutionären Zeiten nicht zu verlieren, versteckten Bauern in Brabant diese Wurzeln durch das Abdecken mit Erde. Eher zufällig wurden dann die knackigen weißen Blätter entdeckt.
(Ob diese Version mit den Nationalstolz der 2005 stattgefundenen Jubiläumsfeierlichkeiten zusammenhängt, ist undeutlich)

1873 wurde Witloof (flämisch: Weißlaub) zum ersten Mal auf einer Messe vorgestellt und stieß bei den Besuchern aus Frankreich, Belgien und Holland sofort auf großes Interesse.
Vor allem in den letzten 20 Jahren wurde der Chicorée an Geschmack und Form weiterentwickelt und als Ergebnis ein besonderes delikates, gesundes Gemüse gezüchtet.

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Wurzelanbau im Freiland - Die Aussaat und das Wachstum

Die Wurzelproduktion beginnt im Mai.wurzelanbeu
Die Bodenvorbereitung vor der Aussaat ist ein grundlegender und mit der wichtigste Baustein für die Erzeugung von hochwertigen und gleichmäßigen Chicoréewurzeln.
Der Boden wird in leicht feuchtem Zustand mittels einer Egge feinkörnig gefahren. Im direkten Nachgang erfolgt die Bodendüngung und der Pflanzenschutz. Hier wird mittels modernster Technik auf ein Minimum an Pflanzenschutzmitteln und Zusatzdünger geachtet. Es werden nur ausgewählte und zugelassene Stoffe verwendet und diese nach genauen Bodenbedarfsanalysen computergesteuert ausgebracht.
Eine direkte Einarbeitung der Wirkstoffe in den Pflanzboden nach der Ausbringung garantieren eine umweltverträgliche und effiziente Nutzung und ermöglicht wesentlich geringere Aufwandsmengen als in der herkömmlichen Bearbeitung.

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wurzelanbauNach der Bodenversorgung mit fehlenden Nährstoffen- diese werden in einer entsprechenden Bodenanalyse ebenfalls ermittelt- erfolgt das „aufdammen“ des Bodens für die Aussaat.
Hier wird mittels einer Fräß- und Walzkombination die typische Dammform –nicht zu verwechseln mit Spargeldämmen- hergestellt.
In diese verdichtete Dammform wird nun das Saatgut mit einer Präzisonssämaschine in einer Tiefe von nur wenigen Millimetern eingebracht.
 Ein regelmäßiger Auflauf und ein gleichmäßiger Bestand sind maßgeblich für den Erfolg dieser Kultur verantwortlich.
Die Aussaat in dieser sehr aufwendigen Dammform ist für eine gerades und effizientes Wachstum der Chicorée-Wurzel und damit eine gesunde und qualitativ hochwertige Basis für die späteren Chicorée-Sprossen ein unerlässlicher Bestandteil.

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Während der Sommermonate wird die Kultur regelmässig vom Treiber kontrolliert und gepflegt.

wurzelanbauSchon auf dem Feld wird  der Treiberfolg maßgeblich mit gesteuert.
Der ressourcenschonende Umgang mit Wasser wird hier in regenarmen Perioden mit sehr effizienten Beregnungsanlagen ermöglicht. Diese werden Litergenau nach vorherigen Analysen auf den Bedarf des Bodens und des Pflanzgutes eingestellt.
Die Dokumentation und Auswertung der Witterungswerte spielt hier in der modernen Landwirtschaft ebenfalls eine große Rolle und trägt maßgeblich zur Erzeugung in integriertem Anbau bei. Birkenhof verwendet zur Bewässerung der Anbauflächen lediglich von den eigenen Dachflächen gespeichertes Regenwasser.

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Die Anfangsentwicklung von Chicorée verläuft sehr langsam. Zwei Monate nach der Saat hat die Pflanze erst fünf bis sieben Laubblätter von 8 bis 10 cm Länge und die Hauptwurzel misst rund 10 cm. Im August sind etwa 20 Blätter vorhanden, die Blattentwicklung wird langsamer. Im September verlangsamt sich auch das Wurzelwachstum und Reservestoffe werden eingelagert. Die Wurzel kann schlussendlich bis 1.5 m tief in den Boden eindringen. Auf leichten bis mittelschweren, tiefgründigen Böden wird sie zylindrisch und deutlich länger als in schweren Böden. Es ist wichtig, dass man die Wurzeln auf dem Feld erst rodet, wenn sie fertig abgereift sind, d.h. wenn sie genügend Reservenährstoffe eingelagert und das Wachstum eingestellt haben.

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Der Boden und das Klima

Die Chicoréepflanze ist optimal an das europäische Klima angepasst und findet deshalb bei uns ideale Wachstumsbedingungen. Als Boden bevorzugt sie leichten, fast schon sandigen Boden mit einer ausgeglichenen Wasserversorgung. Die Produzenten wissen genau: zu trockene oder zu nasse Standorte sind für den Anbau der Wurzeln zu meiden. Die Wurzel würde darauf empfindlich reagieren, was sich in Ihrer Qualität, und später im Ertragspotenzial in der Treiberei bemerkbar machen würde.

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Wurzelanbau im Freiland - Das Roden

wurzelanbeuAb ca. Mitte Oktober sind die Wurzeln , je nach Sorte, reif und werden geerntet.
Hier spricht man vom “roden”. Dies geschieht mit modernen Maschinen sehr präzise und ohne unnötigen Schaden an den Wurzeln oder dem Boden zu verursachen.
Durch die Rodemaschine werden die Blätter der Chicorée-Wurzeln im Vorlauf abgeschlagen und ein optimaler Blattkragen von ca. 2-4 cm an der Wurzel hinterlassen. Im eigentlichen Rodegang werden die bis zu 1,5 m langen Wurzeln auf eine optimale Länge von ca. 12-15 cm eingekürzt und aus der Erde ausgehoben. Über Enterdungsbänder gelangt die Wurzel in den Bunker der Rodemaschine und von dort auf den Transportwagen zur Sortieranlage. Die abgeschlagenen Blätter bleiben als Düngung auf dem Feld und werden dort wieder eingearbeitet.

 

Man rechnet mit 150.000 - 180.000 triebfähigen Wurzeln pro Hektar.
Jedoch ist nicht die Menge sondern die Qualität der einzelnen Wurzel  und eine gleichmäßige, “uniforme” Entwicklung entscheidend.

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Die Düngung

Auch die Chicoréepflanze braucht Nährstoffe zur Entwicklung. Die Pflanze greift dazu auf die Nährstoffe und Spurenelemente im Boden zurück. Diese natürliche Nährstoffverfügbarkeit des Bodens zu Überwachen ist für den Anbauer von großer Bedeutung.
Einzelne Kulturen nehmen mehr Nährstoffe als andere auf, teilweise sogar nur selektiv. Die Zuführung von Nährstoffen in Form von organischen und mineralischen Düngemitteln verteuert die Produktion. Daher wird auf eine ausgewogene Fruchtfolge zur Schonung der Nährstoffe im Boden streng geachtet. Um im Rahmen einer angemessenen Düngung umweltbewusst zu arbeiten, werden auf den vorgesehenen Feldern im Winter vor der Saat sehr genaue Bodenproben entnommen. Die Düngung erfolgt daher feldspezifisch und genau dosiert.

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Die Einlagerung und Reifephase

wurzelanbauDirekt im Anschluss an die Rodung werden die von den Blättern befreiten und auf 12-15 cm eingekürzten Wurzeln zur Einlagerung gebracht.
Dort werden die Wurzeln über eine moderne und mehrstufige Sortieranlage enterdet, d.h. von unnötiger Resterde aus der Rodung befreit und in 2-3 Größengruppen nach Durchmesser sortiert.
Durch die Sortierung nach Durchmesser und die getrennte Lagerung können die speziellen Bedürfnisse der einzelnen Wurzeln in der Treiberei besser berücksichtigt werden .
Nach der Sortierung werden die Wurzeln über ein Bändersystem in die jeweiligen Lagerbehälter gefördert. Diese fassen 2 m³ Wurzeln und werden während des füllens auf speziellen Rüttelplatten bewegt um eine optimale Füllung zu erreichen.
Die Lagerkisten werden zu mehreren Hundert in Kühlräume eingelagert und dort über ein festgelegtes Kühlschema langsam auf die Lagertemperatur von minus 0-2°C herunter gekühlt.
Dabei ist eine ständige Befeuchtigung, d.h. das aufsprühen von Wasser auf die mit Wurzeln gefüllten Lagerkisten sehr wichtig. Ein austrocknen der Wurzeln würde diese nicht mehr treibfähig machen.
Somit herrschen in den Kühlräumen ständig Temperaturen von um 0°C und eine relative Luftfeuchtigkeit von 95-97 %, so werden die Reservestoffe und die Qualität der Wurzel optimal erhalten.

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Treiberei und Ernte

wurzelanbauDas treiben des Chicorée erfolgt im Anschluss an die Kühl- und Reifephase der Wurzel.
Hier unterscheidet man generell in zwei Anbaumethoden, die Erd- oder die Wasser-Treiberei.
Im Allgemeinen und am weitesten verbreitet ist die Wassertreiberei oder Hydrokultur in welcher die Wurzeln in speziellen Treibkisten aufgestellt werden und durch Wasser, versetzt mit Spurennährstoffen, umspült werden. Bei dieser Treibmethode stehen die Kisten mit ca. 1,2 m² Grundfläche zu 10-12 Stück übereinander in einem Stapel. Diese Stapel stehen in einem Wasserkreislauf zusammenhängen wiederum zu 10-12 Stapeln in einer Reihe. Diese Reihen werden dann als eine Partie getrieben und sind zusammen nach ca. 21 Tagen erntefähig.
Grundsätzlich für das Treiben von Chicorée ist dass die Wurzeln und die später daraus wachsenden Sprossen dunkel gelagert werden. Ein genau auf jede Partie abgestimmtes Treibschema unter Berücksichtigung von Nährstoffbedarf und Temperatur des Wassers und der Luft in einer Reihe garantieren mit ständiger Kontrolle des Treibmeisters für eine gute Qualität und gesunde Sprossen.

Zur Ernte werden die Sprossen über ein modernes Transportsystem in den Treibkisten zum Ernteplatz befördert und dort von der Wurzel getrennt. Die Sprossen werden nochmals manuell nach geputzt und auf Mängel kontrolliert.

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Die Wurzeln werden über ein Transportsystem von Erdresten gereinigt und für  die Abholung zur Verfütterung in Rindermastbetrieben bereit gestellt.

 

wurzelanbauDie Sprossen werden zu Einheiten von 500 g aus je ca. 2-4 Stück verwogen und über eine Schlauchbeutelmaschine (Flow-Pack) für den Verkauf verpackt. Weiterhin wird für den Großhandel, die Gastronomie und Wochenmärkte auch lose Ware zu 5 kg abgepackt.
Unter ständiger Kühlung wird so täglich frisch die Ware deutschlandweit an die Kunden zum weiteren Verkauf ausgeliefert.

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Chicorée - Nahrung und Arzneimittel:

  • Senkt den Cholesterin- und Fettstoffspiegel
  • Senkt erhöhten Blutdruck
  • Beugt gegen Arteioskleros- und Herzbeschwerden vor
  • Hilft beim Abspecken
  • Entgiftet den Darm und beugt Darmerkrankungen vor
  • Befreit von Verdauungsstörungen
  • Reguliert den Wasserhaushalt im Körper
  • Kräftigt die Darmschleimhaut und stabilisiert die Darmflora

 

Inhaltsstoffe (je 100g roher Chicorée)

Energetischer Nährwert: 16 kcal/68 kJ
Wasser 94,4 g
Ballaststoffe 1,3 g
Eiweiß 1,3 g
Fett 0,2 g
Cholesterin 0,0 g
Natrium 4 mg
Vitamin C 10 mg
Vitamin A 0,6 mg
Niancin 0,2 mg
Kalium 192 mg
Calcium 26 mg

 

Die Wissenschaft

Cichorium intybus var. foliosum
Familie Korbblütengewächse (Asteraceae)
Unterfamilie Cichorioideae
Gattung Wegwarten (cichorium)
Art Gemeine Wegwarte (cichoriumintybus)
Unterart Chicorée und Radicchio
Unterklasse Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung Asternartige (Asterales)